Der Jugendstrafvollzug ist eine eigenständige Vollzugsform, in der der Erziehungsauftrag an vorderer Stelle steht und im Jugendstrafvollzugsgesetz des Landes festgeschrieben ist:

 

"Der Vollzug der Jugendstrafe ist erzieherisch zu gestalten.

Zur Erreichung des Vollzugszieles sind bei allen Gefangenen die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Bereitschaft zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Lebensführung in Achtung der Rechte anderer zu wecken und zu fördern."

 

(§ 3 Absatz 1 des Jugendstrafvollzugsgesetzes Nordrhein-Westfalen).

Das Ziel

Was passiert im Jugendstrafvollzug?

Welche Vollzugsanstalt?

Die Zuweisung – Differenzierte Unterbringung

 

Grundsätzlich richtet sich die Zuweisung des jungen Straftäters nach dessen Wohnort, weil der Kontakt zu den Angehörigen und Freunden eine unterstützende Maßnahme zur späteren Wiedereingliederung sein kann.

 

Die einzelnen Vollzugsanstalten für Jugendliche bieten allerdings unterschiedliche Behandlungs- und Ausbildungsmöglichkeiten an. So kann es sein, das ein unabhängig vom Wohnort des Straftäters, er in  eine für ihn und seine Behandlungsbedürfnisse passende Vollzugsanstalt eingewiesen oder verlegt wird.

 

Weibliche Gefangene werden separaten Abteilungen spezieller Anstalten zugewiesen.

Was passiert während der Haftzeit?

Die Dauer – Vollzugsplanung

 

Ca.45 % der weiblichen und ca. 25 % der männlichen jungen Gefangenen haben nur eine relativ kurze Zeit im Strafvollzug zu verbüßen - meist wird die Strafe nach einem Jahr in eine Bewährungsstrafe umgewandelt.

 

Bei weiteren 35 % der Jugendstrafgefangenen beträgt die Vollzugsdauer höchstens zwei Jahre.

 

In dieser Zeit sollten Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen für jeden einzelnen der jugendlichen Strafgefangenen erfolgen.

 

Das Gesetz

§ 2 JStVollzG NRW – Vollzugsziel, Aufgaben

 

(1) Der Vollzug der Jugendstrafe dient dem Ziel, die Gefangenen zu befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.

 

(2) Der Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten ist bei der Gestaltung des Vollzuges zu gewährleisten.

§ 3 JStVollzG NRW – Gestaltung des Vollzuges

 

(1) Der Vollzug der Jugendstrafe ist erzieherisch zu gestalten. Zur Erreichung des Vollzugszieles sind bei allen Gefangenen die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Bereitschaft zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Lebensführung in Achtung der Rechte anderer zu wecken und zu fördern.

 

(2) Das Leben im Vollzug ist den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit wie möglich anzugleichen. Hierbei sind die Belange von Sicherheit und Ordnung der Anstalten zu beachten. Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges wird entgegengewirkt. Der Vollzug wird von Beginn an darauf ausgerichtet, dass er den Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.

 

(3) Bei der Ausgestaltung des Vollzuges und bei allen Einzelmaßnahmen werden die unterschiedlichen Bedürfnisse von weiblichen und männlichen Gefangenen berücksichtigt.

 

(4) Personelle Ausstattung, sachliche Mittel und Organisation der Einrichtungen des Jugendstrafvollzuges werden an dessen Zielsetzung und Aufgaben sowie den altersspezifischen besonderen Bedürfnissen der Gefangenen ausgerichtet.

§ 15 JStVollzG NRW – Offener und geschlossener Vollzug, Vollzug in freien Formen

 

(1) Der Jugendstrafvollzug wird in offenen oder geschlossenen Anstalten oder in Einrichtungen in freien Formen durchgeführt.

 

(2) Gefangene werden in einer Anstalt oder Abteilung einer Anstalt ohne oder mit verminderten Vorkehrungen gegen Entweichungen untergebracht, wenn sie den besonderen Anforderungen des offenen Vollzuges genügen, namentlich nicht zu befürchten ist, dass sie sich dem Vollzug der Strafe entziehen oder die Möglichkeiten des offenen Vollzuges zur Begehung von Straftaten missbrauchen werden.

 

(3) Für den offenen Vollzug geeignete Gefangene dürfen ausnahmsweise im geschlossenen Vollzug verbleiben, dorthin verlegt oder zurückverlegt werden, wenn dies für ihre Förderung oder Erziehung notwendig ist.

 

(4) Gefangene, die sich für den offenen Vollzug oder den Vollzug in freien Formen nicht eignen, werden im geschlossenen Vollzug untergebracht.

Aktualisiert Dezember 2017

Strafvollzug24